Kristiina & Volker
        ALBRECHT

 
 




 home

 








Bluecounter Website Statistics Bluecounter Website Statistics
Besucher
seit Mai 2005






Bibelarbeit


Gedanken zur Entrückung


Problemstellung

Die Bibel lehrt, dass es eine Entrückung geben soll. Das heißt, dass Christen von einem Moment auf den anderen von der Erde in den Himmel genommen werden, also spurlos verschwinden, während die anderen Menschen auf der Erde zurückbleiben. Hierzu gibt es die Ansicht, dass diese Entrückung vor der Drangsal stattfindet. Die Drangsal ist der Höhepunkt der Endzeit, in der sich der Antichrist erhebt und unvorstellbares Leid über die Erde bringen wird. Sie endet mit der Wiederkunft Christi, anschließend wird ein 1000-jähriges Friedensreich auf Erden aufgerichtet. Eine Beschreibung der Endzeit und der Drangsal findet sich insbesondere in Matthäus 24. Einige Christen sagen nun, dass wir uns glücklich schätzen können, durch die Entrückung der Drangsal zu entgehen. Da außerdem die Entrückung unerwartet und plötzlich stattfinden wird, sollten wir jederzeit wachsam und vorbereitet sein.


Warum ich an die Entrückung erst am Ende der Drangsal glaube

Meines Wissens gibt es nur eine einzige Bibelstelle, die wörtlich von einer Entrückung spricht:

1. Thessalonicher 4, 16-17
Denn der Herr selbst wird beim Befehlsruf, bei der Stimme eines Erzengels und bei dem Schall der Posaune Gottes herabkommen vom Himmel, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen; danach werden wir, die Lebenden, die übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit beim Herrn sein.

Wann wird das also sein? Bei der Stimme des Erzengels, beim Schall der Posaune, wenn der Herr herabkommt vom Himmel. Diese Ereignisse erinnern stark an die Geschehnisse, die in Matthäus 24 beschrieben sind:

Matthäus 24, 29-31
Aber gleich nach der Bedrängnis jener Tage wird die Sonne verfinstert werden und der Mond seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel erscheinen; und dann werden wehklagen alle Stämme des Landes, und sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit. Und er wird seine Engel aussenden mit starkem Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten versammeln von den vier Winden her, von dem einen Ende der Himmel bis zu ihrem anderen Ende.

Jesus kommt wieder, Engel werden ausgesandt, Posaunen erschallen. Wann wird das sein? Gleich nach der Bedrängnis! Und es handelt sich hierbei um die große Bedrängnis am Ende der Zeit, so wie es Matthäus in den Versen zuvor beschreibt. Die Entrückung dennoch vor der Bedrängnis zu erwarten, setzt voraus, in 1. Thessalonicher 4 und Matthäus 24 unterschiedliche Ereignisse zu sehen. Wie realistisch ist das?

Zwei weitere Verse nutzen Begriffe, die möglicherweise mit der Entrückung gleichgesetzt werden können, nämlich "Verwandlung" und "Vereinigung":

1. Korinther 15, 51+52
Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden; und das plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune erschallen und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden.

Wenn wir nun die Verwandlung als Entrückung deuten, so ist der Zeitpunkt hier präzise benannt: Zur Zeit der letzten Posaune. Wann wird die letzte Posaune ertönen? Das Buch der Offenbarung benennt sieben Posaunen, von denen die letzte in Offenbarung 11,15 beschrieben wird. Allgemein unstrittig ist, dass die sechs Posaunen zuvor Ereignisse in der großen Bedrängnis beschreiben (siehe Offenbarung 8 und 9). Will man nun trotzdem die Entrückung vor die Bedrängnis setzen, so muss man zwangsläufig annehmen, dass es sich bei der letzten Posaune in 1. Kor 15 nicht um die lette Posaune in Offenbarung 11 handelt. Wie realistisch ist das?

Eine weitere Bibelstelle könnte bei der zeitlichen Einordnung hilfreich sein:

2. Thessalonicher 2, 1-4
Wir bitten euch aber, Brüder, wegen der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus und unserer Vereinigung mit ihm, dass ihr euch nicht schnell in eurem Sinn erschüttern, auch nicht erschrecken lasst, weder durch Geist (andere Übersetzung: Weissagung) noch durch Wort noch durch Brief, als seien sie von uns, als ob der Tag des Herrn da wäre. Dass niemand euch auf irgendeine Weise verführe! Denn dieser Tag kommt nicht, es sei denn, dass zuerst der Abfall gekommen und der Mensch der Gesetzlosigkeit offenbart worden ist, der Sohn des Verderbens; der sich widersetzt und sich überhebt über alles, was Gott heißt oder Gegenstand der Verehrung ist, so dass er sich in den Tempel Gottes setzt und sich ausweist, dass er Gott sei.

Angenommen dass mit dem Begriff "Vereinigung mit Christus" die Entrückung gemeint ist, so teilt Paulus den (übrigens nichtjüdischen) Christen in Thessaloniki mit, dass dies nicht eher geschehen wird, als dass der Antichrist (Mensch der Gesetzlosigkeit, Sohn der Verderbens) offenbar geworden ist und sich im Tempel Gottes (wohl an der Heiligen Stätte, dem Tempelberg in Jerusalem) als Gott verehren lässt. Auch dies wird natürlich erst während bzw. am Ende der großen Bedrängnis sein, wie sie in Matthäus 24 beschrieben ist.

Will man die Entrückung dennoch vor die Bedrängnis terminieren, muss man bei dieser Bibelstelle die "Ankunft des Herrn" als spezielle Ankunft des Herrn für uns Christen deuten. Erst dann ließe sich der Vers wie foogt lesen: Brüder, keine Sorge, ihr habt die Ankunft und die Entrückung nicht verpasst, denn der Antichrist ist ja auch noch nicht erschienen (Erst wenn er offenbar wäre, könnte man die Entrückung verpasst haben). Doch wie realistisch ist eine solche Sichtweise? Soll es mehrere Ankünfte des Herrn geben? Eine Vorankunft für uns Christen und dann noch eine richtige Ankunft am Ende der Bedrängnis?

Zwischenfazit: Bei einfacher Lesweise legen alle drei Verse über die Entrückung sehr nahe, dass diese erst am Ende der Bedrängnis stattfinden wird.


Warum mich Argumente für die Entrückung vor der Drangsal nicht überzeugen

Neben den oben erläuterten direkten Versen über die Entrückung, die eine Terminierung vor die Drangsal nur bei einer meines Erachtens sehr umständlichen Interpretation zulassen, gibt es einige weitere - eher indirekte - Argumente für die so genannte Vorentrückungslehre.

Lukas 21,36
Wacht nun und betet zu aller Zeit, dass ihr imstande seid, diesem allem, was geschehen soll, zu entfliehen und vor dem Sohn des Menschen zu stehen!

Lukas 21 ist eine Parallelstelle zu Matthäus 24 und auch dort wird die Drangsal kurz beschrieben. Daher legt dieser Vers angeblich nahe, man könne dieser Zeit entfliehen - also entrückt werden. Doch mindestens genauso gut könnte man den Vers dahingehend deuten, dass man all der Verführung und Verfolgung zu entfliehen vermag, bis zum Ende, wenn Jesus als Herrscher wiedergekommen ist.

Offenbarung 3,10
Weil du das Wort vom Harren auf mich bewahrt hast, werde auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die über den ganzen Erdkreis kommen wird, um die zu versuchen, die auf der Erde wohnen.

Auch die "Bewahrung vor der Stunde der Versuchung" wird gerne als Bewahrung vor der Drangsal gedeutet. Doch erstens heißt es in diesem Vers eben nicht Bedrängnis, sondern Versuchung. Und zweitens bedeutet Bewahrung nicht ein Hinwegnehmen. Hierzu fällt mir auch der folgende Bibelvers ein, der auch nicht gerade für ein Hinwegnehmen der Christen aus der Drangsal spricht. Jesus bittet für die, die ihm nachfolgen:

Johannes 17,15
"Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt wegnimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen."

Es wird als Argument für die Vorentrückung gesagt, dass in Offenbarung 6 bis 18 - Kapitel, welche die Zeit der Drangsal aus himmlischer und irdischer Sicht beschreiben - nicht erwähnt wird, dass sich die Gemeinde auf der Erde befindet.

Dem stelle ich zum einen gegenüber, dass ebenso wenig erwähnt wird, dass sich die Gemeinde bei Gott befindet. Einziger Hinweis hierauf könnte sein, dass von 24 Ältesten vor dem Thron Gottes die Rede ist. Aber ist das bereits ein Beweis, dass die gesamte Gemeinde entrückt und bei Gott ist? Außerdem weise ich auf folgenden Vers hin:

Offenbarung 13, 7
Und ihm [dem Tier] wurde Macht gegeben, zu kämpfen mit den Heiligen und sie zu überwinden; und ihm wurde Macht gegeben über alle Stämme und Völker und Sprachen und Nationen.

Während der Drangsal findet offenbar sehr wohl ein Kampf gegen die Heiligen auf der Erde statt. Warum soll dies nicht die Gemeinde sein? Hier wird der Lehrer einer Vorentrückung behaupten, es handelt sich ausschließlich um Menschen, die sich während der Drangsal bekehrt haben. Eine meines Erachtens recht willkürliche Behauptung.

Ferner wird darauf hingewiesen, dass die Wiederkunft des Herrn bzw. die Entrückung plötzlich und unvermutet geschehen wird. Dies wäre ein gutes Argument für eine plötzliche Entrückung vor der Bedrängnis. Wenn ich dann sage, erst müsse die Bedrängnis mit all ihren Geschehnissen eintreten, kann dies ja aber so unerwartet gar nicht sein. Beispielsweise steht geschrieben:

Matthäus 24, 44
Darum seid auch ihr bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr's nicht meint.

In der Tat, eine Argument. Es finden sich aber auch andere Aussagen in der Bibel:

1. Thessalonicher 5, 2-4
Ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommen wird wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie sagen werden: Es ist Friede, es hat keine Gefahr -, dann wird sie das Verderben schnell überfallen wie die Wehen eine schwangere Frau und sie werden nicht entfliehen. Ihr aber, liebe Brüder, seid nicht in der Finsternis, dass der Tag wie ein Dieb über euch komme.

Soll heißen: Wenn wir im Licht sind, wird der Tag des Herrn uns nicht wie ein Dieb überfallen. Auch Offenbarung 3,3 sagt aus, dass nur wenn wir nicht wachen, Jesus wie ein Dieb zu unvermuteter Stunde komme wird.

Ein Vers, den ich nicht ganz mit meiner Sichtweise vereinbaren kann, ist:

Johannes 14 ,3
Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin.

Dies könnte tatsächlich so gemeint sein, dass Jesus noch vor seiner endgültigen Wiederkunft am Ende der Drangsal schon vorher mal kurz vorbeischaut, um uns zu uns zu nehmen und uns bei Gott wohnen zu lassen. Aber soll man auf diesen einen Vers eine Zwei-Wiederkünfte-Theorie aufbauen? Oder kann er nicht auch so gedeutet werden, dass Jesus uns nach seiner Wiederkunft am Ende der Drangsal zu sich nimmt und wir ab dann immer bei ihm sind. Zunächst im 1000-jährigen Friedens-reich auf Erden und anschließend in der neuen himmlischen Schöpfung.

 

Fazit

Nicht alle Bibelverse kann ich sauber in meine Sichtweise einordnen. Doch das Problem dürften die Vertreter einer Vorentrückung ebenso haben. Anstatt umständlich indirekte Argumente aufzuführen, sollte man sich meines Erachtens eher die direkten Entrückungsverse zu Herzen nehmen. Aber gerade hier ist der biblische Befund äußerst gering - was die geringe Bedeutung der Entrückung für uns aufzeigt - und er lässt sich nur schwerlich anders deuten, als dass die Entrückung am Ende der Drangsal stattfindet.

Ich denke, wir sollten uns bereit machen - nicht dass Jesus uns von der Erde nimmt, sondern vielmehr, dass wir in Zeiten der Bedrängnis der Versuchung und Verfolgung standhalten können.