Gipfel-Message vom 23.01.2009
Thema:
Was kann man mit der Bibel noch machen - außer Lesen?
Eigentlich soll man ja immer dem ersten Gedanken nachgehen. Aber der war bei mir: Mücken totschlagen. Wobei mir meine Frau dann sagte, dass sie Mücken nie mit der Bibel totschlägt, sondern dafür grundsätzlich weniger heilige Bücher und Hefte nimmt. Trotzdem halte ich das mal als Idee fest.
Was kann man noch damit machen? Vielleicht habt ihr ja auch mal so ein Traktat in der Hand gehabt, in dem davon berichtet wird, dass jemand im Krieg war, einen Mantel trug und in der Innentasche des Mantels befand sich eine Bibel. Dann kam ein Schuss, in die Herzgegend. Und der Mann dachte schon, er sei gestorben, als er aber merkt, dass er lebt. Er zieht die Bibel aus seiner Innentasche hervor und sieht, dass die Kugel in der Bibel hängen blieb. Kurzum: Bibel kann man als Schutzweste nutzen.
Nun die etwas ernsthafteren Gedanken. Wahrscheinlich kann man die tollsten Dinge mit der Bibel machen, aber ich gebe euch mal vier ganz bodenständige Beispiele:
Über die Bibel staunen!
In Buchhandlungen springt mir immer unheimlich viel in die Augen. Was müsste man alles lesen! Lustiges, Reisereportagen, Philosophisches, Sprachlehrbücher. Wenn ich in eine christliche Buchhandlung gehe, wird’s auch nicht besser, eher noch schlimmer. Es gibt so viele wichtige Themen, über die ich mich informieren müsste. Weil ich mich dann nicht entscheiden kann, wo ich anfangen soll, lass ich dann meistens alles liegen und lies und kauf gar nichts.
Als ehemaliger, fleißiger Micky-Maus-Leser wünsche ich mir manchmal das schlaue Buch von Tick, Trick und Track herbei. Das schlaue Buch ist das (allwissende) Pfadfinder-Handbuch, in dem sich Informationen zu praktisch allen Fragen des Lebens finden.
Aber eigentlich ist die Bibel ja genau so ein schlaues Buch. Da stehen zwar recht wenige handwerkliche Tipps drin, aber wenn ich auf der Suche nach dem Wichtigsten für mein Leben bin und wenn ich Angst habe, ich könnte irgendwas im Leben verpassen, dann ist das genau die richtige Lektüre für mich. Wenn ich die Bibel habe, kann ich getrost auf alle anderen Bücher verzichten. Was nicht heißt, dass ich mir nicht trotzdem mal ein anderes Buch kaufen kann.
Nun halten viele ja die Bibel weniger für ein schlaues Buch, als vielmehr für ein Märchenbuch. Gerne wird behauptet, die Bibel sei im Laufe der Jahrhunderte x-mal abgewandelt worden. Immer wenn es irgendwo einen König gab, der seine Macht sichern wollte... was seine erste Maßnahme? Er änderte natürlich die Bibel ab. Ich hab zwar keine Ahnung, wie man seine Macht sichert, indem man Wundertaten und Predigten von Jesus in die Bibel einfügt – aber wie auch immer, die Bibel ist angeblich tausende Male falsch abgeschrieben und verändert worden.
Aber hast du schon mal vom Codex Sinaiticus gehört? Es handelt sich um eine Handabschrift, die das komplette Neue Testament und weite Teile des Alten Testaments umfasst. Das Spannende daran ist, dass dieses Manuskript bereits etwa 300 Jahre nach Christi Kreuzigung (und Auferstehung) entstanden und bis heute vollständig erhalten ist. Man kann sich diese Bibel-Abschrift wahlweise im Britischen Museum in London anschauen oder – noch viel einfacher – man kann es auch komplett im Internet persönlich nachlesen (www.codex-sinaiticus.net/de/). Wer immer also der Meinung ist, die Bibel sei im Laufe der Jahrhunderte verfälscht worden, der kann nachprüfen, dass dies in den letzten 1600 Jahren (oder mehr) nicht der Fall war!
Es gibt noch viele gute Argumente, warum die Texte der Bibel auch vorher nicht verändert und bestens erhalten sind. Aber mir reicht es an dieser Stelle schon darüber zu staunen, dass uns dieselben Texte vorliegen wie vor 1600 Jahren.
Die Bibel vergessen!
Also zum einen natürlich vergessen im Sinne von versehentlich liegen lassen. Aber es gibt noch eine andere Möglichkeit: Ich kann vergessen, was ich in der Bibel gelesen hab und trotzdem bringt es mir was. Dazu eine bildhafte Geschichte von jemandem, der auch das Problem hatte, dass er sich schlecht auf die Bibel konzentrieren konnte und das Gefühl hatte, dass nichts hängen bleibt.
Ein junger Student kommt zu einem alten Eremiten, der am Rande der Wüste wohnt und klagt ihm, dass er sich beim Studium nicht konzentrieren kann: „Ich lese so viele heilige Texte und bin begeistert von der Wahrheit der Worte. Aber es gelingt mir nicht sie zu behalten. Ich vergesse alles. Ist meine Mühe nicht gänzlich umsonst?“
Der Eremit hört ihm regungslos zu. Nach einer Zeit des Schweigens, deutet er auf einen schmutzverkrusteten Korb. „Hole mir aus dem Brunnen dort drüben Wasser“, fordert er den jungen Mann auf. „Hm, er findet meine Frage wohl zu dumm“, denkt der Student, greift den Korb und trottet zum Brunnen. Er schöpft das Wasser und kehrt zurück zum Eremiten. Als er ankommt, ist das Wasser aus dem Korb heraus gerieselt und der Korb leer. „Geh nochmal“, befiehlt der Eremit. Der junge Mann folgt. Ein drittes, ein viertes Mal muss er gehen. „Der Alte prüft meinen Fleiß, meine Beharrlichkeit beim Arbeiten, bevor er mir antwortet“, denkt sich der Student. Immer wieder zuckelt er los mit dem Korb, füllt ihn und kommt entleert zurück. Nach zwölf sinnlosen Versuchen bleibt er stehen, während ihn der Eremit schweigend anschaut.
„Schau dir den Korb an“, sagt der weise Alte. „Er ist ganz sauber“, sagt der Jüngling erstaunt.
„So ergeht es dir mit den Worten, die du fleißig liest und in Gedanken wendest“, sagt der Eremit.
„Du kannst sie nicht festhalten, sie fließen durch dich hindurch, und du hältst die Mühe für vergeblich. Aber ohne dass darauf achtest, klären die Worte deine Gedanken und machen dein Herz rein.“
Wir können Gottes Wort schlecht festhalten und manches scheint in unserem Gedächtnis verloren zu gehen. Aber Gottes Wort ist stark! Gott hat durch sein Wort die Welt geschaffen! Jesus heilte Menschen allein durch sein Wort Menschen geheilt! Und so kann Gott auch in uns etwas neues schaffen, wenn wir seine Wort (die Worte der Bibel) in uns aufnehmen. Dazu müssen wir nicht alles behalten. Einfach Gottes Wort nehmen und wirken lassen!
Die Bibel verstehen!
Ursprünglich sollte die Message unter der Fragestellung laufen:
Wenn ich die Bibel sowieso nicht verstehe, kann ich mir Bibel lesen dann nicht sparen?
Ich will auf diese Frage gar nicht eingehen, denn ich halte sie für etwas weit hergeholt. Meine Gegenthese ist: Die Bibel ist ziemlich einfach zu verstehen. Erst recht nicht für uns als Gottes Kinder! Traut euch an die Bibel ran und traut euch und dem Heiligen Geist in euch zu, dass ihr das richtig versteht!
Mag sein, dass euch vielleicht vage irgendwelche Themen oder Bibelverse im Kopf herum schwirren, von denen ihr mal gehört habt, dass andere damit Schwierigkeiten hatten. Aber macht euch nicht Probleme, die ihr gar nicht habt! Wenn ihr irgendwann selbst auf diese Verse stoßt, dann ist es immer noch früh genug, sich darüber Gedanken zu machen – und vielleicht klärt sich das ja dann im Gespräch mit Gott oder im Gespräch mit anderen Christen, falls ihr z.B. im Hauskreis auf solche Verse stoßt.
Und wenn ihr tatsächlich mal auf ein unlösbares Problem oder gar einen Widerspruch stößt, dann macht euch nicht verrückt. Ein Widerspruch ist kein Weltuntergang. Meine Frau widerspricht sich auch ständig. Im Winter erzählt sie mir immer, ich soll eine Mütze anziehen, denn das ist besser für mich. Im Sommer schaut sie mich schief an, wenn ich eine Mütze anziehe. Ist natürlich nicht ganz ernst gemeint. Aber es soll zeigen, dass manche angebliche Widersprüche zwingend logisch sind oder sich halt wirklich sehr-sehr leicht lösen lassen.
Ich weiß nicht, ob ihr auch mal die Erfahrung gemacht habt, aber manche Nichtchristen (vielleicht sogar manche kritischen Christen) sind wirklich ziemlich scharf darauf, Widersprüche in der Bibel zu suchen, zu finden und sie aufzulisten. Lasst euch von so etwas nicht beeindrucken. Man kann beliebig viele Widersprüche finden, wenn man das unbedingt will, und dann genüsslich darauf warten, dass der Christ die Lösung präsentiert, bloß damit man dann direkt auf den nächsten Widerspruch zu sprechen kommt. So kann man das immer machen, nicht nur bei Christen und der Bibel.
Ich kaufe zwei Packungen Milch. Von derselben Firma, im selben Supermarkt und lagere sie im selben Kühlschrank. Die eine Milch hält aber drei Tage länger als die andere. Ist ja auch ein Widerspruch. Und ich kann ihn noch nicht mal lösen. Und so ist die Welt voll von Widersprüchen, die sich mehr oder weniger erklären lassen. Aber deshalb komm ich ja auch nicht auf die Idee zu meinen, wenn sich das Widerspricht, dann gibt es Milch gar nicht oder sie sei schädlich für mich.
Ok, so viel zu den Widersprüchen. Was ich eigentlich sagen will: Geht frohen Mutes an die Bibel ran und ich sage euch, ihr werdet das allerallermeiste verstehen.
Die Bibel tun!
Lieber ein Wort umsetzen als tausend Worte lesen! Die Bibelverse sind nicht dafür da, dass wir sie zur Kenntnisnahme unterschreiben, sondern sie warten darauf, dass wir sie umsetzen!
Du kannst natürlich gerne so lange Bibel lesen, wie du willst. Aber wir müssen auch zu dem Punkt kommen, dass wir uns die Bibelverse vornehmen und tun. Ihr braucht nicht alles auf einmal machen, aber pickt euch einen Vers heraus und sagt: Den setz ich um! Den will ich heute tun!
Jakobus 1,22
Seid aber Täter des Worts und nicht Hörer allein; sonst betrügt ihr euch selbst.
Gott stellt uns in der Bibel vor viele Herausforderungen. Er sagt uns „Geht in die Welt hinaus!“, „Liebt eure Freunde!, „Liebt eure Feinde“, „Betet ohne Unterlass“, „Legt Kranken die Hände auf!“ und vieles, vieles mehr. Aber es bringt ja nicht weiter, einfach nur staunend über solchen Worten zu sitzen.
Wenn Abraham damals nicht mal losgegangen wäre, hätte er nie irgendwas mit Gott erlebt. Da hätte er über Gottes Wort nachdenken und beten können, so lange er wollte – es hätte nichts gebracht.
Zusammenfassung:
Was kann man mit der Bibel noch machen – außer Lesen, Mücken damit totschlagen und als Schutzweste nutzen?
1.) Sie toll finden. Die Bibel ist unser Universalbuch und das schon seit über 1600 Jahren.
2.) Sie vergessen. Und sich gleichzeitig von ihr verändern lassen.
3.) Sie verstehen, ohne dass wir sie komplizierter machen müssen als sie ist.
Und ganz wichtig, 4.) Sie tun!