Kristiina & Volker
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Hauskreis-Impuls vom 5. November 2006


Thema:
Ein grausamer, mordender Gott?


Problemstellung:
Wer im Alten Testament liest, wird auf Stellen stoßen, bei denen Gott sehr grausam ist und ganze Völker auslöschen lässt. Daraus ergibt sich die Frage, wie das mit einem Gott zusammenpasst, den wir als liebend und gerecht bezeichnen.

Beispieltext: 5. Mose 3, 1-11

Wir zogen dann auf der Straße nach Baschan weiter. Von dort kam uns König Og mit seinem ganzen Heer entgegen, um bei Edreï mit uns zu kämpfen. Der Herr sprach zu mir: «Hab keine Angst vor ihm! Ich gebe ihn, sein ganzes Heer und sein Land in eure Gewalt. Ihr sollt ihn vernichten wie den Amoriterkönig Sihon aus Heschbon.» Mit der Hilfe des Herrn, unseres Gottes, besiegten wir auch König Og. Wir töteten ihn und seine Soldaten, keiner von ihnen entkam. Das ganze Königreich Baschan nahmen wir ein: das Gebiet von Argob mit den sechzig Städten König Ogs. Keine Stadt blieb verschont. Jede von ihnen war eine Festung mit hohen Mauern und verriegelbaren Toren. Dazu kamen noch sehr viele Ortschaften ohne schützende Mauern. Wir vollstreckten an ihnen Gottes Urteil, wie wir es im Land König Sihons von Heschbon getan hatten. Die ganze Bevölkerung, Männer, Frauen und Kinder, töteten wir. Nur das Vieh und alles Wertvolle aus den Städten behielten wir für uns. So entrissen wir den beiden amoritischen Königen das Land östlich des Jordan zwischen dem Arnonfluß im Süden und dem Berg Hermon im Norden. Diesen Berg nennen die Sidoniter Sirjon und die Amoriter Senir. Wir eroberten alle Städte der Hochebene, ganz Gilead und ganz Baschan bis zu den Städten Salcha und Edreï, die zu Ogs Reich gehört hatten. König Og war der letzte lebende Riese gewesen. In Rabba, der ammonitischen Hauptstadt, steht noch sein eiserner Sarg. Er ist viereinhalb Meter lang und zwei Meter breit.

Dazu sollte Folgendes bedacht werden:

1) Mit der Grausamkeit des Todes wird jeder konfrontiert - nicht nur die Völker im Alten Testament, die gegen Israel kämpfen.
--> "Die Sünde wird mit dem Tod bezahlt" (Römer 6,23) --> Das betrifft uns früher oder später alle!

2) Gott handelt nicht willkürlich, sondern hat das Verhalten und das Schicksal jedes Volkes im Blick. Die meisten Bibelgeschichten sind aber allein aus der Perspektive von Israel geschrieben und geben keinen Aufschluss darüber, wie die genaue Situation der anderen Völker ist. Dadurch scheint es so, als ob den andern Völkern Unrecht geschieht. Nur manchmal kann man die Geschichte Gottes mit anderen Völkern erahnen - aber es gibt sie!
--> Beispiel 1. Mose 15, 13-16:

Da sagte Gott zu Abram: «Ich vertraue dir jetzt etwas an, das in der Zukunft geschehen wird: Deine Nachkommen werden in einem fremden Land unterdrückt. Sie arbeiten dort als Sklaven - vierhundert Jahre lang. Aber ich werde das Volk bestrafen, das sie dazu gezwungen hat. Mit großen Reichtümern werden sie von dort wegziehen; nach vier Generationen kehren sie in das Land Kanaan zurück. Bis dahin leben die Amoriter in diesem Land, denn sie sind noch nicht reif für das Gericht.

Gott vertreibt also die Amoriter nicht, obwohl sie friedlich und rechtschaffend dort leben - Sondern Gott wartet ab und schaut, wie die Amoriter sich verhalten. Erst dann kann Israel dort einziehen, wenn die Amoriter "reif für das Gericht" sind.

3) Das Alte Testament beschreibt nicht nur historische Wahrheiten, sondern hat auch eine geistliche Bedeutung! Jedenfalls dürfen wir in Hinblick auf das Neue Testament die kriegerischen Geschichten im Alten Testament nicht als Kampfaufruf verstehen! Dies wird sehr deutlich in Epheser 6, 12:

Wir kämpfen nicht gegen Menschen, sondern gegen Mächte und Gewalten des Bösen, die über diese gottlose Welt herrschen und im Unsichtbaren ihr unheilvolles Wesen treiben.

Sehr spannend wird es, wenn man die Kämpfe im Alten Testament mit unserem Leben in Verbindung bringen. Auch in unseren Herzen und Gedanken gibt es Götzendienste, Schlachten und Gott, der das Gebiet einnehmen und reinen Tisch machen will. Vielleicht finden wir auf diesem Wege einen sinnvollen Zugang zu Sätzen wie "Die ganze Bevölkerung, Männer, Frauen und Kinder, töteten wir" in dem oben genannten Text aus 5. Mose 3. Wir sollen in uns selbst den Weg frei machen für Gott! Denn wir kämpfen nicht gegen Menschen, sondern gegen Mächte im Unsichtbaren.